GP-Programm

Zuchtfortschritt durch gezielte Paarung – unter diesem Leitsatz steht eine züchterische Initiative des Trakehner Verbandes. Im Mittelpunkt dieses Zuchtprogramms stehen die Stuten. Start war im Februar 2004.

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Einer der wichtigsten Faktoren für den Zuchtfortschritt ist die gezielte Auswahl der Elterntiere für die Anpaarung unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen wertbestimmenden Eigenschaften. Der Ansatz dieses neuen Zuchtprogramms ist die Stutenbasis. Es sollen nicht Stuten für bestimmte Hengste gesucht werden, sondern Hengste für bestimmte Stuten.

Die Pferdezucht ist heute mit so hohen Kosten verbunden, dass das züchterische Experimentieren im Gegensatz zu früheren Zeiten unwirtschaftlich sein kann und die damit verbundenen Risiken dem Einzelzüchter nicht zumutbar sind. Die öffentliche Hand hat kein Geld und deshalb muss die Initiative vom Verband ausgehen. Aber der alte Leitsatz, “die Qualität kommt aus der Quantität”, hat heute nur noch bedingt Bedeutung. Für die Trakehner Zucht gilt, dass aus einer kleiner werdenden Population eine größer werdende Qualität erwachsen muss.

Die Auswahl der Stuten erfolgt nach drei Kategorien

I. Nachkommenleistung (mit der genetisch höchsten Aussagekraft),
II. Eigenleistung und
III. Vorfahren- und Verwandtenleistung

(mit der genetisch geringsten Aussagekraft).

Nach diesen Kriterien werden Suchläufe in der aktiven Stutbuchdatei des Verbandes gestartet. Dann werden rund 400 Stuten durch den Zuchtleiter in Abstimmung mit einer Kommission ausgewählt. Diese Stuten lassen aufgrund der von ihnen erfüllten Kriterien die berechtigte Hoffnung zu, dass ihre aus entsprechender Anpaarung fallende Nachzucht, die gesetzten Ziele des Zuchtprogramms erfüllen kann und eine höhere Quote qualitätsmäßig herausragender Produkte erbringen wird. Die Besitzer dieser Stuten werden angeschrieben und gefragt, ob sie Interesse haben, an diesem Zuchtprogramm teilzunehmen.

Es bietet ihnen:

  • einen herausgestellten Status ihrer Mutterstute/n, die für dieses Programm vorgeschlagen wurde/n (z. B. GP- Stute, Zuchtprogramm-Stute);
  • eine individuelle Anpaarungsberatung jeder Stute mit dem Vorschlag von zwei bis vier Hengsten;
  • ein reduziertes Deckgeld bei einem der empfohlenen Hengste;
  • einen herausgestellten Status des aus dieser Anpaarungsempfehlung gefallenen Fohlens.

Das Zuchtprogramm wird jährlich fortgeschrieben mit neuen Stuten, die entsprechend aus der Gesamtpopulation deutlich herausragen. Die Beteiligung der Stuten am Trakehner GP – Programm soll über positive Anpaarungen gezielt herausgestellt werden.

Grundsätzlich können alle im Hengstbuch I des Trakehner Verbandes eingetragenen Hengste für eine gezielte Anpaarung im Trakehner GP – Programm in Frage kommen. Ziel ist die Vereinbarung einer Deckgeldermäßigung für die am Zuchtprogramm teilnehmenden Stuten. Vorteile für den Hengsthalter ergeben sich aus der nach höchsten Ansprüchen vorselektierten Stute zur gezielten Anpaarung sowie durch den Werbe-effekt für seinen Hengst, der an diesem Zuchtprogramm teilnimmt. Und außerdem gilt auch hier der herausgestellte Status des aus dieser Anpaarungsempfehlung gefallenen Fohlens.

Zielsetzung

Es gibt im Wesentlichen drei Ziele, die mit diesem Zuchtprogramm verfolgt werden:

  • Ziel ist das Züchten von Fohlen, die dem Durchschnitt der Population genetisch überlegen sind, und die aufgrund ihrer Vorfahren- und Verwandtenleistungen die Chance erhalten sollen, die Gesamtpopulation züchterisch, beziehungsweise sportlich, positiv zu beeinflussen.
  • Ziel ist außerdem, den Besitzern der ausgesuchten Stuten eine neue züchterische Motivation zu verschaffen, um damit einen Beitrag zu leisten, dass die guten Stuten auch gedeckt werden.
  • Ziel ist weiterhin eine Populationsanalyse der weiblichen Zuchttiere für die Aufgabe der Züchtung von zukünftig erfolgreichen Sportpferden.

Die erste Voraussetzung zur Teilnahme am Zuchtprogramm ist die Tatsache, dass die Stuten zuchtaktiv gemeldet sein müssen.

Der gedankliche Ansatz, dass bestimmten Hengsten aufgrund besonderer Eigenschaften in gezielter Form mehr Stuten und richtige Stuten zugeführt werden sollten, wird durch die Methodik des Zuchtprogramms erfüllt. Denn für jede Stute wird der Hengstverteilungsplan nach den richtigen Anpaarungsvorschlägen durchforstet. Wenn diese in Frage kommenden Hengste vorgeschlagen werden, dann unter der Voraussetzung, dass diese Anpaarung auch passen könnte.

So wird nicht wahllos nach möglichen Stuten für bestimmte Hengste gesucht, sondern gezielt werden Hengste für bestimmte Stuten gesucht.