Sportsterne für Trakehner Hengste

Ein neues System des Ausdrucks der Leistung von Hengsten entwickelte die Zuchtleitung mit der Stutbuchabteilung des Trakehner Verbandes. Dabei können sich die Hengste sogenannte Sterne verdienen, wodurch die Züchter mehr Informationen in komprimierter Form erhalten. Hier die ersten Ergebnisse.

Sterne 3 – 6 jährige Hengste

Sterne 7 – 10 jährige Hengste

Sterne 11 – 15 jährige Hengste

Sterne 16 – jährige und ältere Hengste

Weitere Informationen

Die Basis einer Vergabe von Sternen für Trakehner Hengste bilden die beiden großen Leistungsaspekte der Eigenleistung und der Nachkommenleistung. Keine Berücksichtigung finden die Vorfahrenleistungen, weil die Recherchen dieser Leistungen sehr aufwendig wären und zumindest für den Start dieses Projekts den Rahmen sprengen würden. Denn so ein neues System der Etikettierung von Hengsten neben den schon bestehenden Hengsttiteln (Körungssieger, Reservesieger, Prämienhengste, Preisspitzen, Elite-Anwärter, Elite-Hengste, Hengst des Jahres, höchste Zuchtwerte und andere) muss einfach, überschaubar, nachvollziehbar und aussagekräftig für die Züchter sein.
Deshalb wurden auch keine züchterischen oder wirtschaftlichen Erfolge berücksichtigt, das heißt, keine Sieger- oder Prämientitel, keine Schauerfolge, keine Auktions-Höchstpreise und ähnliches. Der sportliche Leistungsnachweis steht im Vordergrund. Das Sternemodell soll eine Ergänzung zu den bestehenden Informationen (siehe oben) sein und impliziert ausschließlich die Leistung unter dem Sattel. Deshalb können die Hengste schon ab dem Alter von drei Jahren zunächst in den Hengstleistungsprüfungen, dann auf den Bundeschampionaten, weiter auf den Weltmeisterschaften für Junge Pferde und schließlich im Sport ab Klasse S ihre Sterne verdienen.

Eigenleistung

Hengstleistungsprüfungen – es gibt zwei Modelle:

  1. Bis 2015 gab es den 30-Tage-Test und die 70-Tage-Prüfung
  2. Ab 2016 gibt es den 14-Tage-Test mit zwei Sportprüfungen und/oder der 50-Tage-Prüfung

Um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit zwischen diesen beiden Systemen zu schaffen, wurden keine Zuchtwerte herangezogen. Bei den Noten gilt ein Stern als verdient, wenn die Endnote oder eine gewichtete Disziplinnote mit 7,5 und besser ausgewiesen ist. Pro Prüfung gibt es maximal einen Stern. Dabei werden die Leistungen von der FN anerkannten Hengstleistungsprüfungen im Ausland als gleichwertig gezählt. Das gilt auch für längere Stationstests (zum Beispiel 100 Tage mit Geländeprüfung).

In den beiden längeren Stationsprüfungen nach altem (70 Tage/ 100 Tage) und neuem HLP-Modell (50 Tage) wird ein Ergebnis von 7,5 und besser mit je zwei Sternen bewertet, weil der Zeitraum der Prüfung deutlich länger ist und normalerweise zu einem genaueren Ergebnis führt. Außerdem konnten diese Hengste nicht zweimal in der Sportprüfung punkten. Das gilt auch für die wenigen Hengste der 100-Tage-Tests (zum Beispiel in Polen). Der Schwellenwert von 7,5 steht zur Zeit noch in der Diskussion und ist noch nicht endgültig entschieden.

Um die älteren Hengste, die ihre Prüfung mit einem Indexwert abgelegt haben nicht zu benachteiligen, gibt es für einen Index ab 110, die entsprechende Anzahl Sterne.

Deutsche Bundeschampionate

Ergänzend zu den Hengstleistungsprüfungen können Junghengste auch auf den deutschen Nachwuchschampionaten (Dressur, Springen, Vielseitigkeit) zusätzliche Sterne sammeln. Für drei- und vierjährige Hengste ist eine Teilnahme an den Reitpferdechampionaten mit einer Endnote von mindestens 8,0 maßgebend für die Vergabe eines Sterns. Fünf- und sechsjährige Hengste erhalten bereits einen Stern für die Qualifikation zum Bundeschampionat und einen weiteren Stern für die Finalqualifikation. Nationale Jungpferdechampionate im Ausland werden für die Sternevergabe nur anerkannt, wenn sie vergleichbar sind.
Hintergrund für diese Vergaberichtlinie ist, dass die Möglichkeit der Bundeschampionats-Teilnahme bei den Drei- und Vierjährigen durch die Nominierung des Zuchtverbandes erfolgt. Bei den Fünf- und Sechsjährigen handelt es sich um offen ausgeschriebene Qualifikationstermine ohne Verbands-Kontingent.

Weltmeisterschaften der Jungen Pferde

Auch auf internationalen Nachwuchschampionaten (Dressur, Springen, Vielseitigkeit) können die Junghengste zusätzliche Sterne für ihr Gesamtkonto sammeln. Fünf- und sechsjährige Hengste erhalten für eine Qualifikation einen Stern. Für die Teilnahme einen weiteren Stern. Für eine Platzierung sowie den Sieg werden zwei Sterne vergeben.

S-Erfolge

Zum Teil sehr aufwendig war die Recherche von Eigenleistungen besonders älterer Hengste im Ausland, vor allem außerhalb Europas. Natürlich wurden diese Erfolge mit berücksichtigt. Hengste, die in mehreren Disziplinen der Klasse S erfolgreich waren, wie zum Beispiel El Greco oder Grafenstolz, erhalten dann jeweils entsprechend mehr Sterne.
Während in der Disziplin Vielseitigkeit auch Prüfungen mit Fünf-Sterne-Niveau berücksichtigt werden, können Hengste in den Disziplinen Dressur und Springen bereits ab Vier-Sterne-Niveau die maximale Anzahl an Sternen für die absolvierte Eigenleistung erhalten.
Hengste die im Vielseitigkeitssport aktiv sind, können bereits ab M-Niveau (neu CCI***-Prüfungen/vor 2019 CCI**-Prüfungen) einen Stern erhalten. Dies entspricht dem Mindestmaß an anerkennungswürdigen Erfolgen, die in der ZVO für eine HLP im Rahmen von Turniersporterfolgen festgelegt sind. Im Springsport wird die maximale Anzahl an Sternen für Eigenerfolge auf S-Niveau ab Platzierungen in 1,55 Meter-Springen vergeben (S****) im Dressursport ab internationalen Erfolgen auf Grand Prix-Niveau (S****). Es ist geplant, dass die Sporterfolge der Hengste in Eigenleistung zukünftig eine Bringschuld der Hengsthalter werden.

Nachkommenleistung

Um die Anforderungen der Einfachheit des Sternesystems zu erfüllen, wurde bei der Anzahl der S-erfolgreichen Kinder eines Hengstes nicht nach dem Zuchtgebiet unterschieden. Denn es entspricht ja der Vererbungsleistung eines Hengstes auch über die Trakehner Zucht hinaus. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass es Hengste, die in anderen Zuchtgebieten viel decken, bei dieser Auszählung leichter haben – wenn sie erfolgreiche Kinder am Start haben.
Die Vergabe der Sterne für die Eigenleistung und die Nachkommenerfolge im S-Bereich erfolgt additiv. Dies erscheint gerecht, denn ein Hengst kann sich Stufe für Stufe nach oben arbeiten und sollte für das Erreichte belohnt werden. Vor allem ist die Verteilung der Sterne aber so eingerichtet, dass die Nachkommenleistung am Ende mehr Sterne wert sein muss als die Eigenleistung in einer einzelnen Sparte.

Allgemeine Informationen

Die Auswertung des Sternemodells gilt (zumindest zunächst) nur für die Hengste, die im Hengstverteilungsplan gemeldet sind. Ältere beziehungsweise nicht mehr oder zur Zeit nicht aktive Hengste könnten bei Bedarf aufgearbeitet werden. Einträge in den Pass des Hengstes gibt es nicht, weil die Zahl der Sterne sich von Jahr zu Jahr verändern kann. Die Sporterfolge der Hengste, beziehungsweise Nachkommen, insbesondere im Ausland, sind eine nachzuweisende Bringschuld der Hengsthalter.
Die Berechnung der Sterne pro Hengst erfolgt einmal im Jahr in den Monaten Dezember/Januar kurz vor Drucklegung des Hengstverteilungsplanes. Das Ziel ist eine umfassendere Information zu den Hengsten für die Züchter bei der Auswahl für ihre Stute unter Berücksichtigung der Leistung unter dem Sattel.
Im Idealfall kann der Züchter diese Informationen ergänzen mit den reiterlichen Eindrücken und Leistungen seiner Zuchtstute. Und je weiter die Lineare Beschreibung fortschreitet und je mehr Informationen sie uns auch aus Jungpferdeprüfungen, Hengstleistungsprüfungen, Stutenleistungsprüfungen und den Sichtungsinitiativen, gibt, desto gezielter und damit leistungsorientierter kann die Auswahl der Eltern zur Anpaarung erfolgen.
Ein Sternchenmodell für Zuchtstuten hat zum Beispiel der Holsteiner Verband vor mehreren Jahren entwickelt. Prinzipiell wäre so ein Modell auch in der Trakehner Zucht für Stuten möglich, doch erschien es zunächst für die Hengste Priorität zu haben, um bei der Reduzierung der HLP-Mindestnote den Züchtern mehr und bessere Informationen anzubieten als die umstrittene HLP-Mindestnote.
Die Darstellung in der Tabelle berücksichtigt Hengste aus dem Verteilungsplan 2021 ab einer bestimmten Mindestzahl von Sternen. Sie wurde in vier Altersgruppen gegliedert, da die maximal zu erreichende Anzahl von Sternen durch das aktuelle Alter der einzelnen Hengste begrenzt wird. Die Reihenfolge in den Tabellen erfolgt nach der Anzahl der Sterne pro Hengst. Bei Hengsten mit gleicher Anzahl erfolgt die Reihenfolge nach Alphabet.

Vorteile des Sternemodells

1. Das Sternemodell kann den Züchtern auf einfache, transparente und kompakte Art und Weise viele wichtige Informationen für die Auswahl der Vatertiere zur Verfügung stellen. Auf einen Blick kann der Züchter sich einen Überblick über viele zuchtrelevante Parameter machen ohne diese selbst aufwendig recherchieren zu müssen.
2. Durch den frühen Beginn der Möglichkeit des Sammelns von Sternen (HLP) erfolgt auch die Nutzung als Information für die Züchter entsprechend früher.
3. Zum ersten Mal werden auch die Sporterfolge in der Disziplin Vielseitigkeit entsprechend gewürdigt und dargestellt, was in der Zuchtwertschätzung beispielsweise nicht der Fall ist.
4. Die Konzentration auf die Eigenleistung ist ein klarer Hinweis auf die Bedeutung des Sports auch in Hinblick auf die Nachkommenleistung im S-Bereich.
5. Die Bedeutung der HLP innerhalb der Karriere eines Hengstes wird erhöht.

Lars Gehrmann, Neel-Heinrich Schoof, Wiebke Rosenthal

Artikel und Tabelle aus Der Trakehner / Ausgabe Februar 2021